Deutscher Aktienindex - Wie bitte, Was?

Mirco Ernst (m.ernst/boersenecho.de)
| 07.12.2020 16:22



Die Abkürzung DAX steht für „Deutscher Aktienindex“. 


Dieser Index beinhaltet die Werte der 30 größten Unternehmen (ab September 2021 sind es 40 Unternehmen) des deutschen Aktienmarktes, weshalb er auch die Bezeichnung DAX 30 trägt. Dazu zählen Konzerne wie Allianz, BASF und Bayer, welche auch zu den „Schwergewichten“ im DAX zählen.

Die Zusammensetzung des DAX hat sich über die Jahre immer wieder verändert, da Unternehmen ausgeschieden und dafür andere hinzugekommen sind. Für den Trader selbst spielt die genaue Zusammensetzung aber nur eine untergeordnete Rolle.  

Als Geburtsstunde gilt der 31. Dezember 1987, als der DAX mit 1.000 Punkten taxiert wurde. Handelbar ist er seit dem 01. Juli 1988. Wer seit dem genannten Zeitpunkt die simple Buy-and-hold-Strategie eingesetzt hat, kommt aktuell auf eine Vervielfachung seines Kapitals. In der Spitze hat sich der Index verdreizehnfacht. Selbstverständlich sollte hier keine Parallele zu der Kapitalvermehrung eines aktiven Traders gezogen werden, welche deutlich höher liegen kann, aber auch eine hohes Risiko mit sich bringt. Das ist jedoch nicht nur spezifisch beim Dax so, doch dazu später mehr. 

Der DAX richtet sich seit dem 21. Juni 1999 nach dem elektronischen Handelssystem Xetra und wird von Montag bis Freitag von ca. 09:00 Uhr bis 17:30 Uhr sekündlich berechnet. Die abschließende Berechnung der Schlussauktion dauert noch ein paar Minuten, dann steht der finale Tagesschlusskurs fest. Seine Haupthandelszeiten sind somit der frühe Morgen nach der Eröffnung und der frühe Nachmittag ab 15:30 Uhr, wenn auch der US-amerikanische Dow Jones seinen Handel startet. Zu diesen Zeiten ist mit der höchsten Volatilität zu rechnen, da der deutsche Markt stark mit dem US-amerikanischen korreliert.  

Für Berufstätige bieten sich noch der vor- und nachbörsliche Handel an. Namentlich LDAX und XDAX genannt. Die Handelszeiten sind hier von 08:00 Uhr bis 22:15 Uhr, wobei die meisten Broker den Handel um 22:00 Uhr einstellen. Es gibt für aktive Trader weitere signifikante Zeitpunkte, welche sich beinahe periodisch an jedem Tag widerspiegeln. Beispielsweise die Mittagszeit, in welcher es meistens etwas ruhiger wird und die Schwankungsintensität deutlich nachgibt. Es lassen sich noch weitere Indexarten abgrenzen, wie den MDAX, den SDAX und den TecDAX.  

Der MDAX steht für Mid-Cap-Dax und beinhaltet, gemessen an der Marktkapitalisierung und dem Börsenumsatz, die 60 größten Unternehmen, die nicht im DAX gelistet sind wie z.B. Airbus, Axel Springer, Zalando und Hochtief.  

SDAX, auch Small-Cap-Dax genannt, ist der Auswahlindex für 70 kleinere Unternehmen. Dieser folgt den im MDAX enthaltenden Werten, bezogen auf die Marktkapitalisierung. Dazu gehören unter anderem Hapag-Lloyd, Hornbach und Borussia Dortmund.  

Der TecDax, ebenfalls ein deutscher Aktienindex, ist der Nachfolger des in Verruf geratenen Nemax50 (Neuer Markt), dessen Konzept jedoch heutzutage keinerlei Ähnlichkeiten zum Vorgänger mehr aufweist. Zu den 30 den TecDax zugeordneten Unternehmen gehören unter anderem Xing und Aixtron. 

Es gibt mehrere hervorzuhebende Vorteile, warum es sich lohnt, den DAX zu handeln: 

Der DAX ist aufgrund seiner Volatilität für eine Vielzahl von Handelsansätzen zu gebrauchen. Scalper und Intraday-Trader kommen ebenso wie langfristige Anleger voll auf ihre Kosten. Somit ist für jede Handelsart eines Traders und den unterschiedlichsten Strategien genug Anreiz geboten, sich mit dem DAX-Geschehen auseinanderzusetzen.

Dazu kommt ein sicherlich für viele nicht unerheblicher Faktor, die niedrigen Gebühren. Bei aktiv gemanagten Aktienfonds bezahlen Sie immer auch die Fondsgebühren mit, die Fondsmanager lassen sich ihre Arbeit natürlich bezahlen. Zudem wird meist auch noch ein Ausgabeaufschlag abverlangt, sodass man direkt nach Kauf diverse Prozentpunkte im Verlust ist. Beim Traden eines Index sind Sie aber quasi Ihr eigener Fondsmanager und zahlen im Intraday-Handel nur den Unterschied zwischen Angebots- und Nachfragekurs (auch „Bid“ und „Ask“ genannt) – weniger geht nicht.  

Kleinanleger handeln in der Regel den DAX mit CFDs (Contracts for Difference oder Differenzkontrakt). Es handelt sich hier um eine Abbildung des DAX. Die Kostenstruktur und Abrechnungsmodalitäten sind hier deutlich transparenter als beispielsweise bei Optionsscheinen. Mit CFDs haben Sie den großen Vorteil, in jeder (!) Marktphase Gewinne machen zu können, da man auch auf fallende Kurse setzen kann. Dank des bei vielen Anbietern angebotenen Mini-DAX ist es bereits möglich, den DAX mit 10 Euro-Cent pro Punkt zu handeln.

Wenn Sie sich hingegen klassisch für einzelne Aktien oder Fonds als Investment entscheiden, profitieren Sie in der Regel nur bei steigenden Kursen. Das Spekulieren auf steigende Kurse nennt man „long“ gehen, unabhängig davon, wie lange man die Position hält, das Spekulieren auf fallende Kurse nennt man „short“ gehen. Sie können also genau so Ihre Gewinne realisieren wenn der Kurs fällt, was aber sicherlich einen fortgeschrittenen Kenntnisstand voraussetzt.  

Darüber hinaus können Sie auch schon mit wenig Kapital einsteigen. Wie viel dies mindestens ist, hängt von der „Margin“ Ihres Brokers ab. Die Margin ist die zu hinterlegende Sicherheitsleistung, also der geringste Kontogegenwert, um einen Trade ausführen zu können. Zudem müssen Sie in Deutschland auch keine weiteren Zahlungen leisten, falls Ihr Konto ins Soll rutscht, da die sogenannte Nachschusspflicht für Privatpersonen seit dem 10.08.2017 entfallen ist. Sie können Ihr Risiko damit sehr genau eingrenzen, und in der Tat „nur“ Ihr eigenes Kapital verlieren. 

Dazu ein Rechenbeispiel:

Nehmen wir an, der DAX steht bei 11.000 Punkten. Die Margin Ihres Brokers beträgt 5 %. Dann sind Sie somit bereits ab 550 € dabei. Und mehr als diesen Betrag können Sie auch nicht verlieren. Durch die 5-%ige Margin liegt Ihr Hebel bei 20, Sie bewegen das 20-fache Ihres eingesetzten Kapitals, nämlich den DAX-Wert in Höhe von 11.000 Punkten. Dies entspricht einem Kontrakt. Zusätzlich können Sie den Hebel noch erhöhen, indem Sie entscheiden, ob Sie mehr als einen Kontrakt pro Punkt Kursbewegung handeln. Dies sollte sich aber immer daran orientieren, wie groß Ihr Tradingkapital ist und wo Ihr Stop Loss liegt. Hier reden wir über die Technische Chartanalyse in Kombination mit einem sogenanntes Risiko- oder Moneymanagement, welches unerlässlich ist, um das Trading-Konto nicht ungewollt auf 0 zu setzen. Wie bei allen Handelsklassen der Finanzmärkte ist auch hier ein sauberes und auf Ihre Verhältnisse angepasstes Chance-Risiko-Verhältnis (CRV) nicht außer Acht zu lassen und stellt einen der wichtigsten Bestandteile eines erfolgreichen Traders dar. 

Ist der Deutsche Aktienindex der richtige Markt für Sie?

Auch wenn es schwierig ist, so eine pauschale Antwort zu geben, überwiegen die Vorteile im DAX, denn egal welchen Handelsansatz man verfolgt, man kann sein persönliches Setup beim DAX umsetzen.

Für kurzfristige Trader ist genug Bewegung im täglichen Handel vorhanden und langfristig investierte Trader haben einen trendstarken Markt, der nur selten in Seitwärtsbewegungen übergeht. Egal ob man 14 Stunden am Tag und eine Vielzahl von Transaktionen tätigen oder sich nur einmal wöchentlich als eigener Vermögensverwalter positionieren möchte, beides ist im DAX möglich und sehr gut umzusetzen. 

 



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