Wieviele Aktien braucht der Mensch?

Renate Kewenig (renate.kewenig/boersenecho.de)
| 19.11.2020 14:58


Es spricht sich herum, Aktien bringen langfristig die höchsten Erträge, verkörpern einen Sachwert über den Anteil an einem Unternehmen und stellen in jeder Lebensphase einen Renditeturbo dar.
Der mögliche Anteil an einem Vermögen folgt grob der Daumenformel 100 – Lebensalter = Aktie:
Je jünger ich bin, desto mehr Zeit habe ich, mögliche Schwankungen "auszusitzen".
Nehmen wir an: Mit 40 Jahren wäre ein Anteil von 60% Aktie möglich. Als Starter*, mit einer finanzierten Immobilie und Familie im Hintergrund sollen aus Sicherheitsgründen zunächst 30% des freien Vermögens investiert werden. Frage: Wie viele Aktien sollen es sein? 5 oder 50?
Einerseits stellt sich die Frage, ob es überhaupt um Einzeltitel geht. Die Grundidee ist, eine Streuung zwischen verschiedenen Titeln zu erreichen. Ein oft gemachter Fehler ist, nur im heimischen Markt anzulegen, da man glaubt, sich da auszukennen. Hat dieser eine Markt ein Problem (und sei es nur psychologisch), kann sich meist (erstmal) kaum ein Titel entziehen.
Andererseits machen deutsche oder europäische Unternehmen große Teile ihres Umsatzes z.B. in Asien – also gibt es einen indirekten Zugang für Anleger für diesen Markt quasi „obendrauf“.
Für Streuung sprechen die gerade sehr beliebten Aktien-ETF’s: Investmentfonds, die an der Börse gehandelt werden und vor allem Indices oder entsprechende „Körbe“ und Themen abbilden. Ein kostengünstiges Investment, das zum Beispiel dem DAX 30 oder dem MSCI World folgt. Folgen heißt dann auch, genau das tun, was der Index (oder Korb) macht: Dann ist eben auch eine Wirecard enthalten, oder der betreffende Index wird durch wenige Werte – ( wie Facebook, Amazon, Apple, Microsoft, Google, Alphabet, Netflix) getrieben, die alle mit dem Digitalzeitalter zu tun haben – ja, die Zukunft, aber keine echte Streuung. In diesem Jahr gab es massive Zuflüsse bei Aktienfonds– hoffen wir, das ist kein „Telekom-Aktien-Effekt“**.
Für Viele bieten aktiv gemanagte Fonds die richtige Lösung, zumal die „Guten“ trotz Kosten starke Renditen bringen (siehe Rendite nach BVI-Methode), Rückschläge vermeiden helfen und nicht nur im Aktienbereich unterwegs sind.
Wer aber Lust und Zeit hat, Erfahrung in bestimmten Branchen besitzt (Gesundheit, Energie, Logistik…..) oder einfach auf die Hersteller der Produkte vertraut, die er/ sie konsumiert, baut sich ein eigenes Portfolio. Warum nicht vom Geldausgeben auch profitieren und am Gewinn der Unternehmen beteiligt sein?
Aber reichen 5 Titel? Oder lieber doch 50? Das kommt drauf an….
Die optimale Zahl für eine sinnvolle Diversifizierung und damit weniger Risiko (die Idee: Wenn der eine nicht läuft, läuft der andere…) liegt wohl bei ca. 35. Auch das dürfte für Normalmenschen schwer beherrschbar sein: Kurse verfolgen, Kennzahlen studieren, Vergleiche ziehen.
Aber 5 Werte dürfen definitiv zu wenig sein, um erfolgreich Risiko zu streuen. Nicht falsch verstehen, wer die richtigen 5 Werte hat, damit Geld verdient, Glückwunsch! Das ist dann aber auch ein Stück weit Glück und weniger Vermögensaufbau mit Aktien. Also: Die Größe des Depots hängt vom möglichen Aufwand ab! Verschiedene Branchen, Unternehmensgrößen (es gibt nicht nur den DAX, auch MDAX, SDAX und weitere Aktien, die nicht im Index sind), Länder (europäische Werte, USA, China) helfen, Glück in eine Strategie zu verwandeln. Ein Tipp zum Schluss: Auch Depots mit einzelnen Aktien lassen sich per Sparplan schrittweise aufbauen und Kinder und Enkel haben lange Zeit!!

* die Verwendung des Maskulinums impliziert alle Gender und dient der verallgemeinernden, einfacheren Lektüre
** Telekom-Aktien-Effekt: Unerfahrene Anleger ließen sich Ende der 90er von der positiven Stimmung rund um den Börsengang der Telekom-Aktie, den generellen Börsenhype  des .com-Zeitalters und die entsprechende PR motivieren, Telekom-Aktionäre zu werden…die Spitzenkurse liegen heute noch in weiter Ferne und oft war und blieb es das einzige Papier.
© Renate Kewenig, www.finanz-verstand.de.


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